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DIN EN 1610: Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen

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Die DIN EN 1610 ist die europäische Norm für den Einbau und die Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen außerhalb von Gebäuden. Sie regelt den gesamten Ablauf von der Planung über die Bauausführung bis zur Dichtheitsprüfung und Abnahme erdüberdeckt verlegter Leitungen und Schächte. Die aktuelle deutsche Fassung ist die Ausgabe DIN EN 1610:2015-12, die als Neuausgabe Änderungen gegenüber DIN EN 1610:1997-10 eingeführt hat. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Inhalte, Prüfverfahren und Zusammenhänge mit dem Arbeitsblatt DWA-A 139 kompakt zusammen.

Wichtige Kernaussagen

  • Die DIN EN 1610 definiert europaweit den Einbau und die Dichtheitsprüfung erdverlegter Abwasserleitungen und -kanäle. Sie gilt für Leitungen unter Freispiegelbedingungen mit einem Überdruck von bis zu 0,5 bar am Rohrscheitel.

  • Die Norm regelt Grabenaushub, Bettung, Verlegung und Verfüllung sowie zwei Prüfverfahren: Verfahren L (Luft) und Verfahren W (Wasser).

  • DIN EN 1610 betrifft vor allem Neubau und Abnahme. Bestandsleitungen werden überwiegend nach DIN 1986-30 und DWA-M 149 beurteilt.

  • Das deutsche Arbeitsblatt DWA-A 139 liefert eine Ergänzung mit angepassten Prüfdrücken, Prüfzeiten und Dokumentationspflichten.

  • Die normgerechte Dichtheitsprüfung ist entscheidend für Umweltschutz, Grundwasserschutz und den langfristigen Werterhalt des Kanalnetzes.

Was ist DIN EN 1610?

Die DIN EN 1610:2015 regelt den Einbau von Abwasserleitungen und kanälen ausserhalb von Gebäuden. Sie ist die deutsche Fassung der europaeischen Norm EN 1610 und gilt als Detailnorm zur EN 752 fuer Entwässerungssysteme. Der Hauptzweck besteht darin, die dauerhafte Funktionalität von Abwassersystemen zu gewährleisten. Die Norm ist eine zentrale Richtlinie im Tiefbau und in der Abwassertechnik.

Ihr Anwendungsbereich umfasst Rohrleitungen, Schächte, Inspektionsöffnungen und Verbindungen. Sie legt Anforderungen an die Qualitätssicherung bei Bauprojekten fest und stellt sicher, dass Rohrleitungen fachgerecht verlegt und dicht sind. Vor jeder Dichtheitsprüfung verlangt die Norm zudem eine Sichtprüfung. Die wichtigsten Regelungsbereiche im Originaltext umfassen:

  • Einbau und Verlegung von Rohren und Schächten

  • Bettung und Verfüllung der Leitungszone

  • Prüfung der Dichtheit vor Inbetriebnahme

Geltungsbereich – welche Abwasserleitungen und -kanäle?

Die Norm gilt für erdüberdeckte Abwasserleitungen und -kanäle aus unterschiedlichen Werkstoffen. Materialien wie Beton, Steinzeug und Kunststoff sind in der Norm erwähnt. Abwasserleitungen müssen unter Freispiegelbedingungen bis 0,5 kPa betrieben werden. Druckleitungen hinter Pumpwerken fallen in der Regel unter EN 805.

Abgedeckt sind Leitungen in Gräben und unter Dammbedingungen. Der Mindestarbeitsraum für Gräben über 2,5 m Höhe wurde in der Neuausgabe ergänzt. Die Hausentwässerung innerhalb von Gebäuden ist ausgeschlossen – hier gelten DIN 1986-100 und DIN EN 12056. Typische Anwendungsfälle sind:

  • Erstellung und Erschließung neuer Sammelkanäle im Straßenraum

  • Herstellung von Hausanschlüssen im öffentlichen Bereich

  • Sanierungsabschnitte in Verkehrsflächen

  • Kommunaler Kanalbau und Neubau von Abwasseranlagen

Die wichtigsten Anwendungsbereiche der Norm sind damit Neubau, Erschließung und kommunaler Kanalbau.

Regelungsinhalte: Von Grabenaushub bis Verfüllung der Leitungszone

DIN EN 1610 beschreibt den gesamten Bau-Ablauf: Herstellung der Gräben, Einbau der Rohre und Verfüllung. Die Norm regelt Anforderungen an die Bettung und Verfüllung der Rohre. Ebenso beziehen sich die Anforderungen auf die Grabenbreite und den Grabenbau, einschliesslich Vorgaben zum Mindestarbeitsraumes.

Die Norm verlangt eine korrekt ausgeführte Rohreinbettung zum Schutz der Rohre vor Punktlasten. Die Verfüllung darf erst nach Prüfung der Rohrverbindungen erfolgen. Verschiedene Bettungsarten (Typ 1 bis Typ 4) sind definiert. Die Norm beschreibt ausserdem Anforderungen an Baustoffe in der Leitungszone. Im Einzelnen regelt sie:

  • Herstellung der Grabensohle und Verdichtung

  • Untere und obere Bettungsschicht mit zulässigen Korngrößen

  • Leitungszone und Verfüllmaterial

  • Anforderungen an Verdichtungsgrade und Schichtdicken

Ein Beispiel aus der Praxis: Beim Einbau eines PVC-Kanals DN 200 in 2,50 m Tiefe wird eine sandige Bettung verwendet und das Verfüllmaterial lagenweise nach Tabelle der Norm verdichtet. Dabei ist die Verwendung geeigneter Materialien entscheidend.

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Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 – Verfahren L und W

Die DIN EN 1610 beschreibt Prüfverfahren für Abwasserleitungen und definiert Verfahren zur Dichtheitsprüfung. Die Dichtheitsprüfung ist nach der Verlegung zwingend erforderlich und dient der Abnahmeprüfung nach der Verlegung oder Erneuerung. Die Dichtheitsanforderungen sind für verschiedene Betriebsbedingungen spezifiziert.

Zwei Prüfverfahren sind für Freispiegelleitungen vorgesehen:

  • Verfahren L (Luftprüfung) mit verschiedenen Druckstufen

  • Verfahren W (Wasserprüfung) über Wasserstand oder Prüfdruck

Die Norm enthält Tabellen mit Prüfdruck, zulässigem Druckabfall, Wasserverlust und Prüfzeiten je Nennweite. Der Prüfablauf umfasst: Absperren des Prüfabschnitts, Vorprüfung, Stabilisierung, Hauptprüfung, Messung und Protokollierung. Die Dichtheitsprüfung soll Umweltschäden durch undichte Kanäle verhindern und wird zur rechtlichen Absicherung der Bauabnahme genutzt.

Verfahren L – Luftprüfung nach EN 1610 und DWA-A 139

Das Verfahren Luft L nutzt Überdruck zur Dichtheitsprüfung ganzer Leitungsabschnitte. EN 1610 nennt vier Varianten: LA (10 mbar), LB (50 mbar), LC (100 mbar) und LD (200 mbar). Das Verfahren Luft verwendet einen Prüfdruck von bis zu 200 mbar.

Das deutsche Arbeitsblatt DWA-A 139 lässt aus Sicherheit und messtechnischen Gründen nur LC und LD zu. Die Prüfzeiten ergeben sich aus dem Rohrdurchmesser – bei Verfahren LC gilt zum Beispiel die Formel t = 0,01354 x DN in Minuten.

In der Praxis sieht ein Einsatz so aus: Bei einem Hausanschlusskanal DN 150 über 30 m Länge wird mit Verfahren LC auf 100 mbar Druck aufgebaut. Nach einer Beruhigungszeit von 5 Minuten folgt die Hauptprüfung. Der zulässige Druckabfall beträgt dabei rund 15 mbar. Diese Informationen sind in Anhang B der Norm und in der Tabelle des DWA-A 139 zusammengefasst.

Verfahren W – Wasserprüfung nach EN 1610

Das Verfahren Wasser W wird für Schächte und Inspektionsöffnungen verwendet. Es kommt auch bei Leitungen mit hohem Grundwasserstand zum Einsatz. Der Prüfabschnitt wird abgesperrt, luftfrei mit Wasser gefüllt und über eine definierte Prüfzeit beobachtet.

Die Hauptprüfung mit Wasser dauert 30 Minuten. Die zulässige Wasserzugabe beträgt 0,4 Liter pro Quadratmeter Schachtoberfläche. Bei einem Schacht DN 1000 mit 4 m Tiefe entspricht das etwa 5 Litern in der Prüfzeit. Der Standard sieht folgende Schritte vor:

  • Absperren mit Dichtkissen

  • Füllen bis Geländeoberkante

  • Stabilisierungsphase

  • Messung des Wasserverlustes über 30 Minuten

Steht Grundwasser mehr als 1 m über der Rohrsohle, ist nach DWA-A 139 ausschliesslich das Wasserverfahren zulässig. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse ist unter diesen Bedingungen höher als beim Luftverfahren. Das Bild der Prüfung wird im Prüfprotokoll für den Auftraggeber dokumentiert.

Zusammenhang mit DWA-A 139 und DIN 1986-30

DIN EN 1610 wird als europäische Grundnorm durch das Arbeitsblatt DWA-A 139 ergänzt. Die Gemeinschaftspublikation liegt als 2. Auflage (korrigierte Fassung, Stand September 2016, Hennef 2021) vor. DWA-A 139 ist ein fester Bestandteil der Abnahmepraxis in Deutschland.

DIN 1986-30 und DWA-M 149 regeln dagegen die Prüfung von Abwasserleitungen im Bestand – mit geringeren Prüfdrücken und angepassten Grenzwerten. Die Normen ergänzen sich wie folgt:

  • Neubau und Abnahme: DIN EN 1610 und DWA-A 139

  • Bestandsnetze und Grundstücksentwässerung: DIN 1986-30

  • Wiederkehrende Prüfungen in der Kanalisation: DWA-M 149

  • Vergabe nach VOB: Verweis auf DIN EN 1610 als Voraussetzung in Leistungsverzeichnissen

In Anhang C der Norm finden sich ergänzende Hinweise zur Seite der Dokumentation. Die Energie und der Aufwand für eine normgerechte Prüfung lohnen sich langfristig.

Bedeutung von DIN EN 1610 für Planung, Ausführung und Abnahme

Planer, Netzbetreiber und ausführende Fachfirmen nutzen die DIN EN 1610 als gemeinsame technische Grundlage. Die Norm enthält Vorgaben zur Verwendung geeigneter Materialien und sichert die Erstellung rechtlich belastbarer Abnahmeprotokolle. Typische Anwendungsfälle sind:

  • Ausschreibung von Kanalbaumaßnahmen mit Verweis auf DIN EN 1610 und DWA-A 139

  • Eigenüberwachung und Herstellung durch Fachbetriebe

  • Abnahmeprotokolle als Nachweis gegenüber Auftraggeber und Behörde

Normgerechter Einbau minimiert Schäden wie Wurzeleinwuchs, Fremdwasserzufluss und Ausspülungen. Die Gesundheit des Kanalnetzes und die Lebensdauer der Abwasserkanäle hängen vor allem von der fachgerechten Erstellung ab. Sachkundige und zertifizierte Fachbetriebe werden üblicherweise mit der Durchführung beauftragt. Die Richtlinie 2014 25 der EU kann bei der Vergabe öffentlicher Aufträge eine zusätzliche Rolle spielen.

FAQ zu DIN EN 1610

Was regelt DIN EN 1610 konkret im Unterschied zu DIN 1986-30?

DIN EN 1610 regelt den Einbau und die Erstprüfung neuer erdverlegter Abwasserleitungen und -kanäle außerhalb von Gebäuden. DIN 1986-30 konzentriert sich dagegen auf Grundstücksentwässerungsanlagen im Bestand samt wiederkehrender Dichtheitsprüfungen mit angepassten Grenzwerten.

Welche Rolle spielt das Arbeitsblatt DWA-A 139 zur DIN EN 1610?

DWA-A 139 konkretisiert DIN EN 1610 für Deutschland. Es legt fest, welche Luftprüfverfahren (LC und LD) zulässig sind und wie der Grundwasserstand bei der Verfahrenswahl zu berücksichtigen ist. Zudem präzisiert es Anforderungen an Baustoffe, Ausführung und Abnahme. In der Praxis werden beide Regelwerke als Gemeinschaftspublikation gemeinsam angewendet.

Welche Prüfdrucke gelten typischerweise bei der Luftprüfung nach DIN EN 1610?

In der EN 1610 sind für das Verfahren L Prüfdrucke von 10, 50, 100 und 200 mbar vorgesehen (LA bis LD). In Deutschland werden nach DWA-A 139 vor allem 100 mbar (LC) und 200 mbar (LD) verwendet, jeweils mit normabhängigen Prüfzeiten und zulässigem Druckabfall.

Wann sollte man das Wasserverfahren W statt Luftverfahren L anwenden?

Das Wasserverfahren W wird bevorzugt bei Schächten, Inspektionsöffnungen und Leitungen mit hohem Grundwasserstand eingesetzt. Steht Grundwasser über der Rohrsohle oder mehr als 1 m über dem Rohrscheitel, lässt DWA-A 139 nur das Wasserverfahren zu.

Wer darf Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 durchführen?

Dichtheitsprüfungen nach DIN EN 1610 sollten von fachkundigen, technisch ausgestatteten Unternehmen mit geeigneter Messtechnik durchgeführt werden. Viele Netzbetreiber verlangen geprüfte Sachkundige oder zertifizierte Fachbetriebe, damit die Prüfprotokolle als Abnahmenachweis anerkannt werden.

Hinweis aus der Praxis

Als Fachbetrieb für Kanaltechnik führen wir von Kögler Kanaltechnik in Mittelhessen seit 2007 Dichtheitsprüfungen und Abnahmen nach DIN EN 1610 und DWA-A 139 durch. Für Fragen zur normgerechten Prüfung Ihrer Abwasserleitungen und -kanäle erreichen Sie uns unter Tel. 06441 9742000.

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